Grußwort des 1. Bürgermeister Wolfgang Plattmeier
zur Ernennung von Herwig Danzer
zum Umweltbotschafter des Umweltpakts Bayern am 22. Juli 2003
Sehr geehrter Herr Staatsminister Dr. Werner Schnappauf,
sehr geehrte Frau Bundestagsabgeordnete Marlene Mortler,
sehr geehrter Herr Vizepräsident der Handwerkskammer für Mittelfranken Thomas Pirner,
sehr geehrter Herr Danzer, lieber Herwig,
sehr verehrte Damen und Herren,
liebe Gäste,
ich freue mich sehr darüber, dass wir im Hersbrucker Land - genauer in Unterkrumbach – jetzt auch eine Botschaft vorweisen können, nämlich den Sitz eines Umweltbotschafters.
Lieber Herwig, ich gratuliere Dir herzlich zu dieser Ernennung, die ja zugleich eine große Anerkennung für dein Engagement ist.
Die Aufgabe des Botschafters ist das Eintreten und die Verbreitung des Gedankens der Nachhaltigkeit im Sinne einer zukunftsorientierten Entwicklung. Die Zuständigkeit des Botschafters ist nicht beschränkt auf eine bestimmte Region, vielmehr soll er als Multiplikator, Vorbild und Motivation zu Nachahmung sein. Der Umweltbotschafter ist ein Teil des Umweltweltpaktes Bayern.
Der Umweltpakt Bayern ist eine außergewöhnliche Einrichtung: Drei Grundprinzipien prägen den Umweltpakt Bayern:
Freiwilligkeit, Eigenverantwortung und Kooperation.
In der Vereinbarung des Umweltpaktes Bayern, die zwischen Bayerischer Staatsregierung und bayerischer Wirtschaft getroffen wurde, verpflichten sich beide Partner zu freiwilligen Leistungen für den Umweltschutz. Von Klimaschutz und
Mobilität über Umweltmanagement bis zur internationalen Kooperation deckt die Vereinbarung alle umweltrelevanten Themenfelder ab.
Auslöser für den Umweltpakt war die Konferenz für Umwelt und Entwicklung von Rio de Janeiro im Jahre 1992. Mit der Verabschiedung eines Dokumentes, das heute unter dem Begriff AGENDA 21 weltweit bekannt ist. Zentrale Aussage des Dokuments ist das Leitbild der nachhaltigen Entwicklung.
Nachhaltigkeit fordert neue Formen der Entwicklung, die dauerhaft sowohl ökologisch, ökonomisch als auch sozial verträglich sind.
Hierfür bedarf es neuer Instrumente im Verhältnis von Staat und gesellschaftlichen Gruppen das stärker als bisher vom Miteinander, von der Kooperation geprägt sein muss. Der Wirtschaft kommt hier eine zentrale Bedeutung zu.
Die Stadt Hersbruck hat im Jahr 1997 begonnen sich intensiv mit der Kommunalen Agenda 21 zu befassen. Seitdem waren und sind Arbeitskreise tätig, ein Aktionsprogramm wurde entwickelt. Generell versuchen wir in Stadtrat und Stadtverwaltung der Stadt Hersbruck unser Handeln an nachhaltigen Grundsätzen auszurichten.
Beispielsweise werden wir in der Sitzung des Hersbrucker Stadtrates am heutigen Abend – soviel wage ich vorherzusagen – den Bau einer Hackschnitzelheizung für unsere Frankenalbtherme beschließen. Damit wollen wir zum einen vorbildhaft für andere Kommunen auftreten, zum anderen werden wir unseren Waldbauern damit unter die Arme greifen, indem wir einen Absatzmarkt für das Holz anbieten. Nicht zu vergessen ist in diesem Zusammenhang die ausgeglichenen CO2 – Bilanz des Energieträgers Holz.
Die Stadt Hersbruck versteht sich in ihrem Handeln als ideeller Partner des Umweltpaktes Bayern. Von 410 Betrieben in Mittelfranken die sich dem Umweltpakt Bayern angeschlossen haben, arbeiten 8 in Hersbruck und weitere wie zum Beispiel das Alte Schloss in Kleedorf oder eben die Möbelmacher im Hersbrucker Land.
Ähnlich wie es Dir, lieber Herwig, heute wiederfährt, so ist es auch der Stadt Hersbruck vor zwei Jahren ergangen. Und ich meine das ausschließlich im positiven Sinne.
Auch wir wurden für unser Engagement ausgezeichnet und erhielten einen Titel. Seit 18. Mai 2003 ist Hersbruck erste Slow City außerhalb Italiens. Wir sind stolz auf die Aufnahme in die „Vereinigung der lebenswerten Städte“.
Ich möchte kurz erklären, was eine Slow City ausmacht:
Eine Slow City erkennt man unter anderem an:
- Nachhaltiger Umwelt- und Standortpolitik.
- Erhalt und die Förderung von regionalen Besonderheiten.
- Förderung von regionalen Wirtschaftskreisläufen.
- Gastfreundschaft und Weltoffenheit.
Meine sehr verehrten Damen und Herren,
wie sie sehen liegen die Ziele des Umweltpakts und die der Slow Cities liegen nahe beieinander.
Ein Grund, warum Hersbruck Slow City wurde, sind die Möbelmacher.
Hier wird in vorbildlicher und beispielhafter Form ein regionaler Wirtschaftskreislauf betrieben.
Die Philosophie der Möbelmacher, Holz aus der Frankenalb vor Ort zu hochwertigen Möbeln zu verarbeiten, passt hervorragend zur Slow City.
Die Möbelmacher wissen, dass nur derjenige zum glücklichen Kunden wird, der den Unterschied zwischen einem individuell und handwerklich gefertigten Möbel und einem Industrieprodukt von der Stange auch sieht, spürt oder beim jahrelangen Gebrauch selbst in Erfahrung bringt.
Als Qualitätskriterien gelten heute aber nicht mehr nur Aussehen und Material, sondern auch die Einbindung eines Produkts oder Betriebs in die regionalen Wirtschaftskreisläufe.
Die Vorteile für die Region liegen auf der Hand:
- Aktive Waldpflege
- Erhalt der landschaftlichen Einzigartigkeit unserer Frankenalb
- Erhalt und Schaffen von Arbeitsplätzen
- Attraktive und hochwertige Produkte mit Regionalbezug
Alles in allem ein zukunftsorientiertes (also nachhaltiges) Konzept, das eine Auszeichnung verdient.
Herr Danzer ist sehr engagiert und nachhaltig innovativ. Hier nur eine kleine Auswahl:
à Miterfinder des Tags der Regionen (erstmalig 1998)
à Aktives Mitglied des Initiativkreises „Holz aus der Frankenalb“
à (Mit-)Geschäftsführer der Möbelmacher
à Kulturfreund, der immer wieder tolle Events in Unterkrumbach veranstaltet (à Eröffnungskonzert des Internationalen Gitarrenfestivals Hersbruck am 3. August)
à Preisträger des Nürnberger Nachhaltigkeitspreises
à Mitglied im Hersbrucker Slow City Komitee
à Glaubwürdig: Er lebt selbst in einem Regionalen Musterhaus
à und jetzt: Umweltbotschafter des Umweltpakts Bayern.
Ich freue mich über Deine Ernennung zum Umweltbotschafter lieber Herwig und spreche Dir als Bürgermeister der Slow City Hersbruck meine herzlichen Glückwünsche aus!
Wolfgang Plattmeier
1. Bürgermeister
Stadt Hersbruck