Sendeplatz: „Perspektiven und Profile“, 10. Juni 2002

Thema: Die Möbelmacher

Autor: Karsten Böhne

Länge: 4.09

 

Anmoderation:

In der Möbelbranche ist die Stimmung schlecht. Keine andere Branche leidet so stark unter der Konjunkturflaute- Im ersten Quartal sackte der Umsatz um 14 Prozent ab. Eine kleine Firma aus Franken trotzt der Entwicklung. Ihr Name: Die Möblmacher.  Das Rezept: Möbel und Küchen aus regionalem Massivholz – bei den Kunden kommt das an.

 

Text:

Tische, Schränke und Stühle aus Holz kennt jeder. Doch wie siehts mit hölzernen  Badewannen, Handuhren oder gar komplette Küchen aus? Die gibt’s auch. Und zwar bei den Möbelmachern im fränkischen Unterkrumbach. Weitere Besonderheit: Das Holz wächst bei der Firma direkt vor der Haustür -  in der Hersbrucker Alb. Ein Konzept, hinter dem Herwig Danzer, einer der beiden Geschäftsführer, voll steht.

 

Wir haben es uns eben auf die Fahnen geschrieben, wir arbeiten nur mit regionalem Holz, wir wollen, dass die Wertschöpfung im Tal, bzw. der Hersbrucker Alb bleibt und wir wollen auch, dass die Kunden nachvollziehen können, woher der Baum kommt, aus dem ihre Möbel entstanden sind.

 

Außerdem ist das Verarbeiten von heimischem Holz ökologisch sinnvoll. Jährlich wachsen in deutschen Wäldern rund 60 bis 70 Millionen Kubikmeter nach. Wird es nicht geerntet, dann sterben die Bäume ab. Vorteil gegenüber dem billigen Import: Es wird kein Regenwald abgeholzt und die Umwelt nicht durch LKW belastet, die das Material transportieren.

Den Gedanken vertreten die Möbelmacher im Initiativkreis „Holz aus der Frankenalb“ in vielen Projekten.

 

Und eines der Projekte ist das regionale Musterhaus, das heißt der Initiativkreis hat gesagt, wenn wir es schaffen ein ganzes Haus so darzustellen, dass man wirklich sowohl die Energie, als auch das Bauholz, als auch das Möbelholz komplett aus der Region ist, dann ist das ein Vorzeigeprojekt, mit dem man sich leichter tut als mit Broschüren

 

Dem Bundewirtschaftsministerium ist das Holzhaus sogar den „Best-Practice“- Preis wert, mit dem es besondere Projekte im Handwerk auszeichnet.  Die Energie für ihr Haus gewinnen die Möbelmacher, indem sie Restholz verbrennen, das bei der Produktion in der nahe gelegenen Firma anfällt. Und um allen zu zeigen, dass das Konzept aufgeht ist Herwig Danzer vor einigen Wochen mit seiner Familie in das Haus eingezogen. Wer will, kann einfach vorbeikommen und sich das Haus anschauen – bis zu acht Interessierte stehen täglich vor der Tür – für die Danzers kein Problem.

 

Musterhaus: Wir haben damit kein Problem, weil wir als Einrichter ja auch immer in anderen Häusern sind. Außerdem sind Leute, die sich für Massivholz und Holzbauen interessieren ja auch immer sehr nett, so dass wir denen gerne unsere Wohnung zeigen.

 

1988 gründen Herwig Danzer und sein Kollege Gunther Münzenberg die Firma. Zu Beginn fertigen sie nur einzelne Möbel. Doch dann entwerfen sie immer mehr komplette Wohnkonzepte – alles soll zueinander passen. Außerdem verarbeiten sie nur wohngesunde Materialien. Statt chemischer Lacke verwenden sie Naturharz zum Schützen der Holzoberflächen. Die Möbel sind übrigens alles Einzelanfertigungen.  Dafür müssen die Kunden zwar etwas tiefer in die Tasche greifen. Eine Massivholz-Küche gibt es ab 20 000 Euro. Doch das Konzept kommt an. Heute beschäftigen die Möbelmacher rund 20 Mitarbeiter.

 

Also ich glaube einfach, dass unsere Kunden spüren, dass wir einen Einsatz bringen, der über das reine Vermarkten der Möbel hinausgeht, der sich einfach auf das Prinzip Wohnen erstreckt. Dass man sagt: Es geht um die Polstermöbel, es geht um die Vorhanggestaltung, es geht um die Beleuchtung, all das spielt natürlich eine große Rolle, welche Atmosphäre ein Raum verbreitet und dass wir uns damit beschäftigen ist für unsere Kunden einfach auch eine Dienstleistung., die sie immer mehr zu schätzen wissen

 

Eine persönliche Bindung zu den Kunden gibt auch der Möbelmacher-Kalender. Bilder von Möbeln und zufriedene Käufern, dazu ausführliche Informationen. Rund ein Drittel der Kunden hängen den Kalender auf.  Und ganz wichtig: zweimal im Jahr die Unterkrumbacher Werkstatttage.

 

Im Rahmen dieses Wochenendes, an dem die Unterkrumbacher Werkstatttage stattfinden, haben wir Informationen zum Thema Wald, ein klassisches Konzert, wir haben Kunstausstellungen, im nächsten Jahr soll es etwas mit Büchern zu tunhbaen, weil auch Buch eine Verbindung von Kunst und Handwerk ist und diese Verbindung ist eigentlich die Grundidee, in der sich die Werkstatttage bewegen sollen.

 

Möbel und Häuser – komplett aus Holz und das alles „Original Regional“. Das Verarbeiten wohngesunden Materialien und eine enge Beziehung zu den Kunden. Ein Konzept, mit dem sich die kleine Firma gegen die großen Möbelkonzerne auch in schwierigen Zeiten gut behaupten kann.